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8.2.1.18

Heimsuchung der neuen Ansiedler durch Heuschrecken (1823)

Schon im ersten Jahre der Ansiedlung (1823.) war eine Mißerndte; wiewol die Feldfrüchte ziemlich geriethen: fehlte es doch an Heu; aber es ging noch kein Vieh verloren. Auch zeigten sich zur Heu-Erndtezeit, im Juni Monat genannten Jahres, einige Heuschrekken von rother Farbe, die, von verschiedenen Seiten her, nicht geflogen, sonder, auf der Erde kriechend, herankamen und über jeden, auf ihrem Zuge sich vorfindenden Gegenstand, ja selbst über Häuser, hinübergingen, durch Wasser hindurch schwammen und ihren Weg stets gerade fortsetzten. Bald darauf, im nämlichen Monat, fand sich wieder eine andere Gattung Heuschrekken, von grauer und grünlicher Farbe, ein, welche, vom Asowschen Meere her, in großen, die Sonne verfinsternden, Schwarmen, geflogen kamen. Indessen richteten diese, wenn gleich einen größern, als die ersten, doch auch noch keinen bedeutenden Schaden an. Allein: es erschienen täglich mehre, von allen Gegenden herkommende, Schwarmen und ließen viel Unheil befürchten; bis zum Herbste vermehrten sich dieselben sehr, überwinterten hierselbst, gruben sich in die Erde, bis an die Flügel ein, und legten 70. bis 80. Eier in die Oeffnung. Das Frühjahr 1824., da der Herbst des verflossenen Jahres troken und der Winter nicht streng gewesen, kamen die ausgebrüteten Heuschrekken zum Vorschein. Die Ansiedler bemühten sich sogleich, ehe sie noch dreimal gehäutet und Flügel erhalten hatten, auf verschiedene Weise zu vertilgen. Bei Tagesanbruch begaben sie sich mit Sieben auf die Steppe, schöpften vermittelst derselben die belebte Brut vom Grase in Säcke und ließen sie von Pferden zertreten. Es half aber wenig. Hierauf kam vom ehemaligen Jekatharinoslawschen Comptoir der Ausländischen Ansiedler ein Befehl und eine Anweisung, die Heuschrekken mit, von Brettern zusammengeschlagenen und mit Pferden bespannten, Quetschen, wie solcher Versuch schon früher in Bessarabien und bei Odeßa war gemacht worden, zu zermalmen. Die Ausführung geschahe auf folgende Weise: Jedes Dorf fertigte augenblicklich, nach dem Befehl, zwei Quetschen an. Sobald sich in der Nähe eines Dorfes ein Heuschrekken-Schwarm der eben ausgebrüteten hier sehen ließ, begaben sich mehre Dorfs-Gemeinden mit erwähnten Quetschen und Pferden (von jedem Wirthe zwei), nach dem Orte bei Tagesanbruch hin, spannten vor jeder, 9. Fuß langen und 4. Fuß breiten, Quetsche sechs Pferde, der Länge nach, auf jeder einzelnen derselben 3. Mann zur größern Schwere, standen, die sich an drei, an beiden Enden und in der Mitte senkrecht befestigten Pfösten, hielten, umringten den Platz, zogen immer engere Kreise, sowol mit den Quetschen, als auch mit den, denselben nachfolgenden, Pferden, welche die, unter der Quetsche lebend davon gekommenen Heuschrekken noch zertreten mußten, bis sie zum Mittelpunkte gelangten, dahin die Heuschrekken ungefähr ein Fuß hoch zusammengedrängt waren, und zermalmten alsdann den Rest. Allein, dieselben konnten noch immer nicht ausgerottet werden. Von andern unbewohnten Orten der freien Steppe begaben sich die dort ungehindert ausgebrüteten Junge, nachdem sie zu fliegen vermogten, täglich in 3. bis 4. und mehren Schwarmen hieher, aus welchem Grunde die Ansiedler stets auf der Hut sein mußten, die herannahenden Feinde der Felder, mit Geschrei und Klappern, von der Frucht abzuwehren. Bei allen getroffenen Anstalten und Anstrengungen konnten sie die Heuschrekken doch nicht, wenn sie recht hungrig waren, abhalten; wo sie über ein Feld hinüber streiften, des Widerstandes wegen aber sich nicht niederzulassen wagten, bissen sie im Fluge die Aehren ab und ließen die Halme allein auf den Feldern zurück, zumal die Ansiedler nicht schnell genug nach allen, von Heuschrekken plötzlich überschwemmten, Orten zu eilen im Stande waren. Drei Jahre hindurch, von 1823., bis 1825., am meisten aber 1824., wurden diese Gegenden von Heuschrekken heimgesucht 1)

1) Die Heuschreckenplage von 1824 nahm im Schwarzmeergebiet solche Ausmaße an, daß die russische Regierung eine weitere Stundung des den Kolonisten gewährten Darlehns vornehmen mußte, vgl. I PSZ, Bd. 40, Nr. 30281.

Grunau und die Mariupoler Kolonien, Jakob Stach, Seite 8 9

§. 8.
Fernere Heimsuchung derselben durch Schnee und Kälte. (1824/25)

Vom Jahre 1824 auf 1825 trat ein sehr kalter und stümiger Winter ein In Ermangelung gehörigen Brennzeugs litten sowol die, noch in Erdhütten, als auch die, in den neuen unvollendeten, feuchten Häusern wohnenden, Kolonisten außerordentlich; auch fehlte es ihnen an Brodt, und dem Vieh an Futter, wodurch vieles, erst vor Kurzem angeschafftes, Vieh verloren ging. Der Erdhütten einige wurden auf der freien Steppe vom Schneegestöber ganz bedeckt, also, daß sich die Bewohner derselben nicht hinauswagen konnten und mehre Tage, Tag und Nacht, ohne zu wissen, ob es Tag oder Nacht sei, Licht brennen mußten. Auf keine andere Weise, als durch den Schornstein, vermogten sie, im dringenden Nothfalle, sich hinauszubegeben; ja manche der neuen Ansiedler, die ihre Erdhütten noch nicht mit einem Dache hatten frühzeitig versehen können, haben schon zu Michaeli 1823 durch Schneegestöber vielem Ungemach sich unterworfen sehen müssen, indem sie sich am Morgen von dem in der Nacht gefallenen, Schnee in ihren Betten bedeckt erblickten. In solcher traurigen Lage sind mehre Kinder hiesiger Evangelisch-Lutherischer Gemeinde zur Welt geboren worden. Alle diese Beschwerden hat auch genannter Herr Commißarius1) mit den Ansiedlern, in einer Erdhütte, theilen müssen.

1) D. h. Kirschner.

Grunau und die Mariupoler Kolonien, Jakob Stach, Seite 9 10

§. 21.
Heimsuchung der Gemeine durch Theurung, Hungersnoth und Viehseuche. (1833)

Schon im Mai Monat 1833 zeigte sich Dürre; das Gras fing an, auf der Steppe nach und nach zu vertrocknen; bald hatte das Vieh keine Weide mehr; auch Felder und Gärten litten sehr an Dürre; die Theurung ward groß! Bereits kostete ein Tschetwert Waizen, das früher 10. bis 12. Rubel galt, 24. Rubel; ein Tschetwert Hafer, früher 1. Rubel 80. Cop. jetzt 11. Rubel; ein Tschetwert Gerste, früher 3. Rubel, jetzt 16. Rubel, und von Allem war kaum etwas zu erhalten. Die Gemeinde sahe sich als bald genöthigt, so viel möglich, ihr Vieh zu verkaufen. Heerden von Kühen und Schaafen sahen die Bauern, mit thränenden Blicken, für äußerst wohlfeilen Preis, wegtreiben. Gegen Herbst stieg die Noth immer mehr. Waizen kostete nun hier das Tschetwert 35. Rubel, und in Taganrog 40. Rubel, Roggen galt nun hier 27. Rubel, und in Taganrog 36. Rubel; 17. Rubel, Gerste erblickte man gar nicht. Täglich war die Zahl der um milde Gaben bittenden Deutschen, Griechen und Russen groß. Nach einer, von der weltlichen Local-Behörde gemachten, Berechnung belief sich die, zum Brodtvorrath bis zur nächsten Erndte nöthige, Summe auf 75,000. Rubel. Hiezu kam noch eine Viehseuche in fast allen Dörfern, die überaus vieles Vieh hinwegraffte. Mit, Einem Worte, was beim heiligen Propheten Joel, im ersten Kapitel, zu lesen, sahe man in strengster Erfüllung vor Augen! Trost und Kraft war allein nur der Herr! Seine Gnade wieder zu erlangen wurden wöchentlich zwei außerordentliche Buß- und Bettage vom Prediger gehalten. Alles strömte zum Gotteshause und wohnte, unter Seufzen und Thränen, dem Gottesdienste bei. Wenn nicht unmittelbar, so half Gott doch mittelbar. Von Seiten der Hohen Krone wurde der (Evangelischen und Katholischen) Gemeine eine Unterstützung zu Theil, eine Brodt-Commißion errichtet, Getraide angekauft und an die nothleidenden Familien vertheilt, und (mit der Unterstützung bis zum Sommer des 1834ten Jahres fortgefahren, welche sich, mit Hinzurechnung der Saatfrucht, auf 35,000. Rubel B. A. belief 1).

1) Zur Milderung der Hungersnot wurde das Militär 1833 aus Neurußland nach Bessarabien und Podolien verlegt. Graf Woronzow erhielt als Generalgouverneur von Neurußland bedeutende Mittel, für die er Getreide in den Zentralgebieten aufkaufen und durch die Lebensmittelkommissionen in den von der Mißernte betroffenen Gouvernements verteilen ließ. Die ärmere Bevölkerung wurde mit Zuchtvieh versehen. Zur Arbeitsbeschaffung ließ Woronzow die Poststraßen ausbessern, Kanäle graben und Land für Baumkulturen herrichten, vgl. Seredonin a. a. O. Bd. 2, Teil 2, S. 293 294.)

Da man sich hier, wegen Mangels an Holz, des Mistes (Kirpitsch2) genannt) und Strohes zum Brennen bedient, das meiste Vieh aber verkauft und wenig solches Brennzeug vorhanden war; so litten viele, während des Winters, nicht nur durch Hunger, sondern auch durch Kälte; indessen ließ der Herr keinen Strengen Winter eintreten und stützte Alle gnädigst vor dem Hungertode! Viele erkrankten freilich im Winter mit Geschwulst; wahrscheinlich in Folge des Mangels an Nahrung.

Vieh aber fiel viel vor Hunger!

In dieser Zeit der Noth geriethen auch die Schulen in Stockung, die Dorfs-Gemeinden waren nicht im Stande, Schullehrer zu besolden.

Kein Wunder, wenn in religiöser Hinsicht Irrthümer aufkeimten; unter diesen vor allen die Erwartung des Endes der Welt und der Errichtung des tausendjährigen Reiches auf Erden!

2)Russ. kirpic eigentlich "Ziegel".

Grunau und die Mariupoler Kolonien, Jakob Stach, Seite 14 15

§. 23.
Fortwährende Theurung und Hungersnoth. (1834)

Auch noch im Jahr 1834, hatte jeder sein Kreuz auf sich zu nehmen; denn die Noth war noch nicht gestillt! Zu der Unterstützung der Gemeinde mit Brodt durch väterliche Fürsorge unsers Allergnädigsten Monarchen fügte der Herr der Herrlichkeit noch eine Hilfe von Seiten christlicher Wohlthäter aus der Ferne. Einige, an Herrn Collegienrath, Professor Dr. Busch1), zu Dorpat, gesandte, Briefe des hiesigen Pastors, Betreff dieser Hungersnoth und Theurung, hatte genannter Herr Professor in die: "Evangelischen Blätter"2), als Redacteur derselben, abdrucken lassen, und durch diese Mittheilung von Mehren eine Collecte freiwilliger Beiträge, zur Abhilfe der Noth hiesiger Evangelischen Gemeinde, erhalten und hieher geschickt. Ein einziger dieser christlichen Wohlthäter (muthmaßlich Fürst Lieven)3) spendete allein 3000. Rubel B. A.4). Sämtliche milde Gaben aus Dorpat betrugen: 4310. Rubel, 20. Cop. B. A. Vorher schon, im Februar Monat, hatte der Prediger des Kirchspiels Grunau aus Charkow5), durch Herrn Consistorialrath und Pastor Rosenstrauch6), von Seiten einer christlichen Dame in St. Petersburg, 400. Rubel B. A., und später, im Mai Monat, aus St. Petersburg von den Gebrüdern Herrn Paul und Peter Grimm und Herrn Alexander Iwanowitsch Eck, 100. Rubel B. A., zu demselben Behuf, in Empfang genommen. Die Total Summa belief sich also auf: 4810. Rubel, 20. Cop: B. A. Die gleich nach Osten empfangenen 3000. Rubel B. A. suchte der hiesige Pastor, mit Hilfe zweier, zu diesem Zweck erwählter, Gemeindeglieder, des Kolonisten der Kolonie Grunau: Christian Klaaßen7), und des Kolonisten der Kolonie Kronsdorf: Johann Freimann, bald zu vertheilen. Er kaufte dafür: 266. Pud Waizen, à 4. Rubel 40. Cop:, (= 33. Tschertwert 2. Pud, das Tschetwert zu 8. Pud gerechnet) und 552. Pud, eben aus Italien zu Schiff in Mariupol angekommen, Roggen, à r. Rubel ( = 69. Tschetwert), in Summa 818. Pud, oder 102. Tschetwert 2. Pud.
Hievon erhielten 366. Familien à 17 Pfund) auf die Seele, worunter auch mehre nothleidende Katholische Familien waren. Gegen 30. Pud waren von der Rechnung ausgeschlossen und zum Vorrath gelassen, theils um beim Austheilen nicht zu kurz zu kommen, theils um später sich meldenden Hilfsbedürftigen auch noch etwas mittheilen zu können. Dieser Vorrath wurde hernach noch an 26. Evangelische und 24. Katholische Familien vertheilt; doch konnten dies freilich nicht mehr 17. Pfund auf die Seele erhalten; das Fehlende (34. Pud 12½ Pfund) bekamen dieselben jedoch später nachgeliefert.

Was jene, in Dorpat gesammelte, Collecte von 1310. Rubeln 20 Cop: betrifft; so kaufte der Pastor zu Grunau, mit gedachten Gemeindegliedern, dafür 330. Pud ( = 40 Tschertwert 10. Pud.) Polnischen Winter Waizen, à 3. Rubel 95 Cop: das Pud, zu Mariupol, und ließ sie an genannte Evangelische und einige Katholische Familien vor Pfingsten, 9. Pfund auf die Seele, vertheilen, allein also: daß die Familien, welche zu derselben Zeit Kronsfrucht erhielten, nur 4½ Pfund auf die Seele bekamen. Die 400. Rubel B. A. aus Charkow wurden im April Monat, und die 100. Rubel B. A. aus St. Petersburg, wie auch der Rest von der Dörptschen Collecte, wurde im Juli und August zu 2. und 4. Rubeln, in Geld vertheilt, und zwar an die Allernothleidendsten des Evangelisch-Lutherisch-Grunauschen Kirchspiels; von den erstgenannten 400. Rubeln erhielten auch, nach der Bestimmung der Wohlthäterin, die Allernothleidendsten des Römisch-Katholischen Kirchspiels Eichwald ihr Theil. Um die mit schwerem Kreuz heimgesuchte, Gemeinde auf die, ihr in vieler Hinsicht zu Theil gewordene, göttliche Gnade aufmerksam zu machen; sie sowol zu Lob, Preis und Dank gegen den Herrn, als auch gegen unsern, für Seine Landeskinder auch in dieser Zeit der Noth so väterlich sorgenden, vielgeliebten Monarchen und gegen alle lieben christlichen Wohlthäter zu ermuntern und mit dem Brodte des Lebens zu speisen, veranstaltete der Pastor, damit die gelegene Zeit zur Ansprache ans Herz nicht versäumt werden mögte, am Donnerstage nach dem Sonntage Misericordias Dom. den 10ten Mai, einen außerordentlichen Gottesdienst, als Dankfest für die gnädige Hülfe in der Noth, und als Bettag um Abwendung des Uebels und Wiederaufnahme zur Gnade. Schon frühe war das geräumige Bethaus mit Zuhörern angefüllt, und beinahe noch ebenso viele Gemeindeglieder als in demselben, befanden sich außerhalb um dasselbe an den offenen Fenstern. Zum Altar-Text hatte er den 85sten Psalm: "Herr, der Du bist vormals gnädig gewesen Deinem Lande, und hast die Gefangenen Jacobs erlöset" rtc., zum Predigt-Text: 1. Cor: 16, 13. erwählt: "Wachet, steht im Glauben, seid männlich und seid stark. " Thema und Disposition so: "Das rechte Verhalten des Christen zur Zeit der Hungersnoth und Theurung." I. Es hat der Christ wohl über sich zu wachen, daß ihm die Heimsuchung Gottes zum Heile und nicht zum Schaden gereiche (Matth: 26, 41.); denn 1., der Mangel an leiblicher Nahrung verleitet das Herz leicht zum Murren wider Gottes Wege; 2., die Verzögerung göttlicher Hilfe kann bald ein Anlaß zu vielen und mancherlei Ungerechtigkeiten und Gewaltthaten werden; 3., die steigende Noth vermag das Herz eiligst zu bethören, alle Güte des Herrn zu vergessen. II. An Christum, als seinen Herrn und Heiland, hat der Christ sich auch in solchen Zeiten der Noth gläubig zu wenden. (Marc: 11, 22. Joh: 14, 14. 16, 23. Marc: 11, 24. Matth: 6, 33.); denn: 1., Christus ist unser ewiger Fürsprecher bei Gott; 2., um Christi willen erhört uns Gott, wie in geistlicher, so in leiblicher Hinsicht; 3., Christi Leiden giebt uns Trost in unsern Leiden. III. Durch Stillesein und Hoffen muß der Christ seinen Glauben an den Tag legen, auf daß der Herr durch ihn verherrlicht werde (Jes. 30, 15 Eph. 4, 13. 6, 10. 1. Joh.: 2, 14. 2 Tim: 2, 1. Sprüche Sal: 24, 10.); denn dadurch beweißt er: 1., daß er an einen Herrn glaubt, der nicht nur gekreuziget, sondern auch auferstanden ist, zur Rechten Gottes sitzt und, als Haupt seine Glieder nicht verläßt; 2., daß er dem Herrn zutraut, Er werde zu rechten Zeit schon die Stunde der Erlösung kommen lassen; 3., daß er des Herrn Zusicherung, ihm sollten alle Dinge zum Besten gereichen, gläubig annimmt.

Der Sommer dieses 1834sten Jahres sahe freundlicher aus, als der des vorhergehenden Jahres; die Erndte fiel reichlich aus; allein die Meisten konnten, in Folge der kargen Aussaat, nur sehr wenig erndten!

1) Andreas Kaspar Friedrich Busch, geb. 1798 zu Glückstadt, war 1824 1850 Professor für Kirchengeschichte an der Universität Dorpat. Vgl. über ihn J. Fr. Recke und K. E. Napiersky: Allgemeines Schriftsteller- und Gelehrten-Lexikon der Provinzen Livland, Estland und Kurland Bd. 1, Mitau 1827, S. 314 316 und Nachträge und Fortsetzungen Bd. 1, Mitau 1859, S. 122 125.

2) Dorpatsche Evangelische Blätter. Für das Herzens- und Erfahrungs-Christentum und die christliche Literatur. Dorpat 1832ff.

3) Gemeint ist wohl Fürst Karl Christopher Lieven, 1767 in Kiew geboren (als erster Täufling im Kirchenbuch der Kiewer lutherischen Gemeinde verzeichnet, vgl. Russkaja Starina (Russisches Altertum) Bd. 87, Petersburg 189, S. 539), 1817 1828 Kurator des Dorpater Lehrbezirks und 1828 1833 Kultusminister in Rußland. Am 2. März 1831 erhielt er vom Zaren die Erlaubnis zur Eröffnung einer "Evangelischen Bibelgesellschaft in Rußland". Vgl. Russkij biogrficeskij slovar, Petersburg 1914.

4) D. h. Banco Assignaten, vgl. Woltner a. a. O. S. 116.

5) Zur Linderung der Not im Schwarzmeergebiet entstand 1833 in Charkow unter den Evangelischen ein Wohltätigkeitsverein, der 2000 Rubl. zur Verfügung stellen konnte, vgl. Seredonin a. a. O. Bd. 2, Teil 2, S. 347.

6) Joh. Ambrosius Rosenstrauch, in breslau 1768 geboren, wurde jung Schauspieler, doch konnte er sich seiner strengen moralischen Grundsätze wegen als Direktor eines Petersburger Theaters nicht halten. Früh reifte in ihm der Wunsch, Geistlicher zu werden. Unter der Leitung des Superintendenten Böttiger bereitete er sich zum theologischen Examen vor, das er in Odessa vor dem Konsistorium bestand. 1821 1822 war er Adjunkt in Odessa, 1822 1835 Pastor in Charkow, während welcher Zeit er sein ansehnliches Vermögen in den Dienst der Wohltätigkeit stellte. Vgl. A. W. Fechner: Chronik der evangelischen Gemeinden in Moskau Bd. 2, Moskau 1876, S. 116ff. und A. Döllen: Kurze Geschichte der evangelisch-lutherischen Gemeinde zu Charkow, Charkow 1880 S. 14 35.

7) Vgl. unten S. 67.

Aus: Jakob Stach, Grunau und die Mariupoler Kolonien. Materialien zur Geschichte deutscher Siedlungen im Schwarzmeergebiet, Leipzig 1942 (Sammlung Leibbrandt, Band 7), S. 15-18

§. 51.
Heimsuchung der Gemeinde Elisabethdorf durch Viehseuche. (1838)

In den Monaten Juli und August suchte Gott die Gemeinde zu Elisabethdorf mit der Viehseuche heim, wodurch Viele all ihr Rindvieh einbüßten. Im Juli und August war in dieser ganzen Gegend zugleich eine solche Hitze, daß Menschen und Thiere sehr ermatteten, und manche Gemeindeglieder des Kirchspiels Grunau vor Hitze bei ihren Arbeiten in Ohnmacht niedersanken. Nach Thermometern hiesiger Gegend waren im Schatten 29o und in der Sonne 38o Reaumur. Seit Gründung des Kirchspiels hat solche Hitze nicht geherrscht.

Grunau und die Mariupoler Kolonien, Jakob Stach, Seite 28

§. 63.
Versammlungen der Kirchenvormünder und Schullehrer beim Pastor. (1841)

Um der Gemeinde zum größern Segen zu gereichen, führte Pastor Holtfreter im October-Monat monatliche Schullehrer Conferenzen ein, und zwar an jedem ersten Montag im Monat. Die Art und Weise derselben ist folgende: die Schullehrer versammeln sich 9. Uhr Morgens im Pastorate; es wird gesungen, gebetet und eine Ansprache vom Pastor gehalten; dann bespricht sich der Pastor mit den Schullehrern über Schul-Angelegenheiten nach einigen von ihm entworfenen Punkten und läßt die Schullehrer ihre etwa schriftlich aufgesetzte Beantwortung von Fragen in Schul-Angelegenheiten, die er vorher aufgegeben gehabt, vortragen. Nach Besprechung hierüber wird wieder gebetet, die Versammlung geschlossen und in der Folgezeit das ausgeführt, was zum Besten der Schulen berathen worden1). Ebenso versammeln sich monatlich am 28sten die Kirchen-Vormünder, die der Pastor zur gesegneten Amtsführung belehrt und ermahnt, und mit denen er sich über religiöse und moralische Angelegenheiten der Gemeinde bespricht.

1) Auf der Petersburger Provinzialsynode wurde 1846 eine von Pastor Holtfreter ausgearbeitete und der Kreissynode des Zweiten Propstbezirks vorgelegte Küster-Instruktion verlesen. Vgl. Mitteilungen und Nachrichten für die evangelische Geistlichkeit Rußlands Bd. 6, 1845, S. 566

aus: Jakob Stach, Grunau und die Mariupoler Kolonien. Materialien zur Geschichte deutscher Siedlungen im Schwarzmeergebiet, Leipzig 1942 (Sammlung Leibbrandt, Band 7), Jakob Stach, Seite 34 35

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