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Innerhalb des Russischen Staatsrates gab es die Befürchtung, dass eine Durchführung der Liquidationsgesetze zu ernsthaften Versorgungsproblemen führen könnte. Die Mitglieder des Staatsrates Fürst A. D. Golizyn, P. W. Kamenskij und S. S. Krym trugen am 18. März 1916 diese Bedenken dem Vorsitzenden des Ministerrates, Stürmer, vor.

Gleichzeitig richtete das Mitglied des Staatsrates Fürst N. B. Schtscherbatow eine Anfrage an den Landwirtschaftsminister A. N. Naumow, welche Maßnahmen er zur Aufrechterhaltung des landwirtschaftlichen Produktionsniveaus in den Kriegsjahren zu ergreifen beabsichtige. Diese Anfrage enthielt neben anderen kritischen Anmerkungen auch eine Warnung vor der Durchführung der Enteignungspolitik. So lautet Absatz VII der Anfrage:

  "Die gegenwärtig mit dem Ziele des Kampfes gegen die deutsche Übermacht anlaufende Liquidierung des kolonistischen Landbesitzes birgt ... die Gefahr in sich, daß in diesem Jahre bedeutende Landflächen unbestellt und unbearbeitet bleiben. Die Verwandlung von mehr als 100.000 getreideproduzierenden Personen in Getreidekonsumenten ist eine Tatsache, die ernste Aufmerksamkeit verdient. Unerwünscht wäre eine Liquidierung aller Getreidemühlen in den Dorfbezirken des südlichen Rußland, die eine Produktionskapazität von einigen Millionen Pud per annum besitzen, sowie die Schließung landwirtschaftlicher Maschinenfabriken, die für die Verteidigung arbeiten und eine Jahresproduktivität von mehr als 23 Millionen Rubel besitzen."

vgl. dazu Sonja Striegnitz, Der Weltkrieg und die Wolgakolonisten. Die Regierungspolitik und die Tendenzen der gesellschaftlichen Entwicklung, in: Zwischen Reform und Revolution. Die Deutschen an der Wolga 1860-1917, hrsg. v. Dittmar Dahlmann und Ralph Tuchtenhagen, Essen 1994, S. 134-147.

aus: Aus: Ingeborg Fleischhauer, Die Deutschen im Zarenreich. Zwei Jahrhunderte deutsch - russische Kulturgemeinschaft, Stuttgart 1991, S. 516f

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