Geschichte der Russlanddeutschen

Auswanderung der Deutschen

Teil 1 1763 - 1820

2 Abwerbung

2.3.4.2 Werber

2.3.4.2.1 Baron Ferdinand de Canneau de Beauregard

Der in den Quellen sowohl als Schweizer wie auch als Brabanter bezeichnete Ferdinand de Canneau de Beauregard war der wohl bedeutendste Werber im Dienst der russischen Regierung. Er hatte mit ihr einen Vertrag abgeschlossen, in dem er sich zur Anwerbung von 4.000 Kolonisten verpflichtete. Für ihren Transport nach Hamburg und Lübeck wurde ihm ein Darlehen von 15.000 Rubeln eingeräumt. Als weitere Gegenleistung wurden ihm drei Prozent des Siedlungsgebietes für einen eigenen Wirtschaftsbetrieb in Aussicht gestellt. Außerdem sollte er für die Ansiedlung von je 100 Kolonistenfamilien ein zinsloses Darlehen von 350 Rubeln erhalten.

In den Verträgen mit Siedlern sicherte sich Canneau de Bauregard die Zahlung des Zehnten und ein Vorkaufsrecht für landwirtschaftliche Produkte (vgl. Vertragsformular für Kolonisten link).

Ihm gelang es jedoch nur, etwa 2.000 Kolonisten zu gewinnen. In der Folge kam es zu Unstimmigkeiten zwischen ihm und der russischen Regierung. Katharina II. lehnte eine weitere Zusammenarbeit mit den Worten ab "... mit selben nichts weiters will verhandeln".

Der Name des Werbers kehrt in den Bezeichnungen für zwei auf der Wiesenseite der Wolga gelegene Kolonien (Kaneau und Beauregard) wieder. Auch seine Familienmitglieder fanden Eingang in die Geschichte der Wolgakolonien. Die Kolonien in der Nähe von Katharinenstadt Ernestinenfeld und Philippsfeld erinnern an seine Tochter und seinem Sohn. Das nördliche Susannental wurde nach seiner Frau benannt (vgl. Liste der Wolga-Kolonienlink.
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