Geschichte der Russlanddeutschen

Auswanderung der Deutschen

Teil II 1820 - 1917

3 "Deutsche Frage" und Lösungswege

3.5 Ausbruch des Ersten Weltkrieges

3.5.1 Loyale Haltung

Die deutschen Kolonisten ergriffen mit Ausbruch des Krieges eindeutig Partei für Russland. Sympathiekundgebungen für Deutschland gab es bis zum Herbst 1917 nicht. Die Russlanddeutschen im Schwarzmeergebiet spendeten Geld für die Einrichtung von Lazaretten sowie Sanatorien und rüsteten Proviantkolonnen für die russische Armee aus.

Die vier deutschen Abgeordneten der vierten Duma stimmten am 26. Juli und 8. August 1914 für die Kriegskredite und schickten dem Zaren eine Ergebenheitsadresse, in der sie die Bereitschaft der deutschen Siedler zur Verteidigung Russlands bekundeten.

Die Ergebenheitsadresse wurde vom Dumaabgeordneten Hamilkar Baron Fölkersahm im Anschluss an die Eröffnungsrede des Dumavorsitzenden Rodsjanko verlesen. Rodsjanko selbst hatte bereits betont, dass nun die Einheit aller patriotischen Kräfte des Landes mit ihrem Herrscher zu einer Tatsache geworden sei. Die gesamte Nation würde als eine einige brüderliche Familie aller Völker des Reiches die Gefahr vom gemeinsamen Vaterland abwehren.

Fölkersahm gelobte im Namen der Russlanddeutschen die Bereitschaft aller Kräfte, die österreichischen und deutschen Mennoniten eingeschlossen, zur Verteidigung der Einheit und Größe des Russischen Reiches nach dem Vorbild ihrer Vorfahren beizutragen. Blut, Gut und jedes andere Opfer würden die Deutschen Russlands in diesem Krieg zur Verteidigung ihres einzigen Vaterlandes bringen.

Ungeachtet solcher Loyalitätsbekundungen wurde in der Duma eine Kommission zum "Kampf gegen die deutsche Übermacht auf allen Gebieten des russischen Lebens" gebildet.

Im Ukas vom 18. August 1914 verbot der Zar den Gebrauch der deutschen Sprache in der Öffentlichkeit, Deutsche durften auf Straßen und Plätzen keine Gruppen von mehr als zwei Personen bilden. 1915 wurden die deutschen Zeitungen eingestellt, es durften keine Bücher in deutscher Sprache mehr gedruckt werden.
 
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