Geschichte der Russlanddeutschen

Auswanderung der Deutschen

Teil II 1820 - 1917

6 Kulturelles Leben

6.1.2 Deutsche Zeitungen und Zeitschriften

zeitungen
Vielfältige deutsche Presseerzeugnisse gab es erst ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Den Kolonisten standen eine Reihe von Zeitungen und Zeitschriften sowie von Kalendern zur Verfügung. Von 1840 bis 1863 wurde vom Fürsorgekomitee unter Leitung des Großliebentaler Kolonisten Sonderegger ein monatliches "Unterhaltungsblatt für die deutschen Ansiedler im südlichen Rußland" herausgegeben. Die Schulzenämter, die zu einem Abonnement verpflichtet waren, sicherten dem Blatt eine Auflage von rund 200 Exemplaren.
zeitung
Seit 1863 erschien in der Druckerei der Gebrüder Nietzsche und K. Kiessig in Odessa die "Odessaer Zeitung". Diese kämpfte während der gesamten Zeit ihres Erscheinens mit einem Abonnentenmangel; auch Aufrufe, die Zeitung zu abonnieren, halfen nichts.
Die Auflagenhöhe war mit wenigen Tausend Exemplaren gering; es gab nur 400 - 500 Abonnenten. Die Gemeindeämter mussten die "Odessaer Zeitung" abonnieren. Möglichst viele sollten diese lesen, da sie "außer den politischen Neuigkeiten auch für jeden nützliche Nachrichten aus allen Zweigen des menschlichen Wissens" enthalte und außerdem "als Organ zur Verbreitung der Ideen der Regierung diene". Dieselbe Druckerei brachte auch den "Christlichen Volksboten für die evangelisch-lutherischen Gemeinden in Südrußland" und den "Neuen Haus- und Landwirtschaftskalender für deutsche Ansiedler im südlichen Rußland" (1868 - 1918) heraus.
odessa zeitung
Für die katholischen Kolonisten erschienen das Wochenblatt "Klemens" (seit 1896), die "Deutsche Rundschau", der "Volkskalender" und der Abreißkalender "Daheim".
Neben diesen Publikationen wurden der "Odessaer Kalender" mit einer Auflagenhöhe von 15.000 Stück und der "Reichsbote" (in russischer Fassung) mit 5.000 Stück herausgegeben.

Eine statistische Erhebung von 1904 ergab, dass auf elf Einwohner eine Zeitschrift kam, wobei es sich zu 60% um christliche Familienblätter handelte. Die politischen Zeitungen dagegen hatten nur einen Anteil von 12,8%. Das Lesebedürfnis beschränkte sich auf religiöse und Unterhaltungslektüre.
1915 mussten die deutschen Zeitungen ihr Erscheinen einstellen.
 
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