Die Realisierung der ehrgeizigen Industrialisierungspläne – sie dominierten die beiden Fünfjahrpläne zwischen 1928 und 1937 in herausragender Weise – erforderte die Bereitstellung immenser Finanzmittel. Die Umschichtung des Staatsbudgets war dafür nicht ausreichend. Es wurde erforderlich, Erträge aus dem Agrarsektor für die Verwirklichung der Planung zu mobilisieren. Zu diesem Zweck wurden die Besteuerung der Bauern und gleichzeitig die staatlichen Aufkaufpreise und die Preise für Industrieerzeugnisse erhöht.
Die Folgen waren absehbar. Die Unzufriedenheit der Bauern wuchs und das staatliche Getreideaufkommen sank. Die Bauern zogen es vor, ihren Getreideüberschuss an so genannte "Spekulanten" zu verkaufen. Diese Entwicklung mündete in eine regelrechte Getreidekrise. Die Industrialisierung geriet in Gefahr.
Die Partei- und Staatsführung reagierte mit
außerordentlichen Maßnahmen 
, gegen die sich
passiver bäuerlicher Widerstand 
formierte.
Als Ausweg aus dieser krisenhaften Situation wurde die umfassende Kollektivierung der Landwirtschaft betrachtet. Im Zuge der nun einsetzenden administrativen Massenkollektivierung wurde auch die Liquidierung der kulakischen Landwirtschaftsbetriebe in Angriff genommen. Im November 1929 erschien in der Prawda ein Artikel von Stalin, in dem die Beseitigung der
Kulaken 
als Klasse und die durchgängige Kollektivierung der Landwirtschaft propagiert wurde. Damit setzte der Prozess der umfassenden und endgültigen Entkulakisierung und Kollektivierung der Landwirtschaft, auch als Große Wende bezeichnet, ein. Die bei der Entkulakisierung angewandten Methoden knüpften an die
früheren Restriktionen 
an.
Im Februar 1930 wurde ein Gesetz über die Auflösung der Kulakenwirtschaften und den Umgang mit ihrem Besitz erlassen. Die Kulaken wurden in
drei Kategorien 
eingeteilt. Der Besitz der enteigneten Kulaken – Land, Vieh, landwirtschaftliche Geräte, Häuser und Stallungen – ging in den "unteilbaren Fonds" der Kolchosen über.
In der Wolgarepublik wurde 1930 eine "
Kommission 
zur Liquidierung des Kulakentums" gebildet.
Ab 1934 wurde die Entkulakisierung auch auf Mittelbauern ausgedehnt, die keine Lohnarbeiter oder Gesinde beschäftigten und die keine zwei Pferde oder Kühe besaßen. Offiziell wurde 1933 die Zahl der inhaftierten Kulaken mit 800.000 angegeben.
Vor Entkulakisierung und Kollektivierung flohen zehntausende Russlanddeutsche.
1929 zogen rund 14.000 aus den Siedlungsgebieten in Sibirien, dem Kaukasus, der Ukraine und dem Wolgagebiet nach Moskau, um von hier ihre
Ausreise 
durchzusetzen.
Die
Bilanz der Entkulakisierung 
war in jeder Hinsicht schrecklich. Nachfahren von deutschen Kolonisten aus dem Schwarzmeergebiet zeichneten in ihrem Erlebnisbericht ein Bild von der Willkür und der Repression bei der Entkulakisierung.