In den Kolonien bestand von den Anfängen bis zur Revolution von 1917 ein sehr enges Verhältnis zwischen Kirche und Schule.
Die Schulen, die in den Kolonien entstanden, waren konfessionelle Dorfschulen, für deren Bau und Unterhalt die Gemeinden aufkommen mussten. Im allgemeinen Sprachgebrauch bürgerte sich die Bezeichnung Kirchenschule ein.
Unter den ersten Ansiedlern waren zwar noch Lehrer gewesen, aber diese schieden im Laufe der Jahre aus dem Schuldienst aus. Der Mangel an ausgebildeten Lehrern wurde immer größer. Darunter litt die Qualität des Unterrichts.
Die Gemeinden stellten die Lehrer an und bezahlten sie auch. Da die Gemeinden möglichst wenig Geld für Schulen ausgeben wollten, stellten sie in der Regel ungeeignete Bewerber als Lehrer ein, denen man weniger bezahlen konnte.
Die Lehrer waren zumeist gleichzeitig Küster, Organist und Gemeindeschreiber (Küsterlehrer).
In den Wolgakolonien gab es Persönlichkeiten, die sich nachdrücklich für die Verbesserung des Schulwesens einsetzten und die Einrichtung von Zentralschulen zur Lehrerausbildung. erreichten. Diese Bemühungen wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts intensiviert.
1881 wurden die Schulen in den deutschen Kolonien dem Ministerium für Volksaufklärung unterstellt. In den darauffolgenden Jahren kam es zu Konflikten um die Einführung der russischen Sprache als Unterrichtssprache (Russifizierung des Unterrichts).
Trotz des im ganzen bescheidenen Bildungswesen waren die deutschen Kolonien mit ihren allgemein zugänglichen Bildungseinrichtungen ihren russischen und ukrainischen Nachbarn gegenüber bis zum Entstehen der Semstwoschulen im Vorteil.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ergänzten Semstwoschulen das bereits vorhandene System staatlicher und privater Schulen. Sie entwickelten sich zu den besten damals bestehenden Schulen.